"Damit Menschen nicht an ihre grenzen stossen"

Motive

Warum lässt eine junge Frau sich hormonell stimulieren, unter Narkose punktieren und gibt dann ihre Eizellen (gegen eine Aufwandsentschädigung) einer anderen Frau? (Ablauf/So funktioniert es)

Finanzielle Motive allein sind es scheinbar nicht. Denn die 600 bis 1300 Euro, die eine Spenderin in Spanien bekommt, oder die genau bezifferte Summe für eine Spenderin in Tschechien sind nicht viel für das, um was es dabei geht. Zum Vergleich: Ein Samenspender in Deutschland erhält für eine Probe ca. 100 Euro, hat wenig Aufwand und kann wöchentlich spenden gehen. Eine Eizellspenderin in USA erhält zwischen 5000 und 8000 US Dollar.

Ärzte und nichtärztliche Mitarbeiter in tschechischen und spanischen IVF-Zentren, die die Spenderinnen auswählen, medizinisch betreuen und in das Gespräch mit ihnen kommen, berichten von deren Motiven:

  • Fast alle dieser jungen Frauen wollen mit ihrer Spende auch helfen. Oft haben sie in ihrem Freundes- und Bekanntenkreis ungewollt kinderlose Paare und wissen um das Leid dieser Menschen.
  • Eizellspenderinnen werden medizinisch gründlich durchgecheckt. Die Spende ist für die Frauen die Möglichkeit, kostenlos eine umfassende Vorsorgeuntersuchungen zu erhalten.
  • Sie mögen Kinder und denken auch daran, irgendwann eine eigene Familie zu gründen bzw. sie haben evtl. schon ein Kind. Zum jetzigen Zeitpunkt möchten sie selbst aber nicht Mutter werden, haben jedoch kein Problem damit, ihre Gene weiterzugeben.
  • Insbesondere in Spanien gibt es eine gesellschaftlich verankerte Tradition zur Organspende. Insofern ist auch Eizellspende gesellschaftlich voll akzeptiert. Eizellspende liegt, vom emotionalen und ethischen Aspekt her, für die Spenderinnen irgendwo zwischen Blut- und Organspende.
  • Einige junge Spenderinnen sind einfach auch nur neugierig, wie es um ihre Fruchtbarkeit steht.

Eine argentinische Untersuchung hat sich damit befasst, wie es Eizellspenderinnen einige Zeit nach ihrer Spende geht. Frauen, die mitunter aus humanitären Gründen gespendet haben, leben besser damit. Sie stehen auch nach einiger Zeit noch zu ihrer Entscheidung und wissen, dass sie damit jemandem den größten Wunsch seines Lebens erfüllt haben.
Ohne zusätzliche finanzielle Motivation nimmt jedoch kaum eine Frau die Strapazen einer Stimulation und Punktion unter Narkose auf sich, wie der Überblick Europa zeigt.
Also beides – humanitäre und finanzielle Motivation – kommt bei der Eizellspende zusammen.