"Leben spüren, Liebe geben"


Epigenetik: Das Kind mitprägen

Chromosomen:
bestehen aus DNA, der Mensch hat 46 Chromosomen
DNA:
Trägerin der Erbinformation (Doppelhelix)
Gene:
Abschnitt auf der DNA, der Mensch hat ca. 25.000 Gene


Epigenetik ist ein junges Spezialgebiet der Biologie, das sich mit Umwelteinflüssen auf die DNA beschäftigt. Unter Umwelt wird dabei z.B. Ernährungslage, extremer Stress, Schwangerschaftsverlauf und Exposition von Umweltgiften verstanden. Gene können durch diese Umwelteinflüsse aktiviert oder inaktiviert werden. Sie sind somit in der Lage, die genetische Ausprägung des Kindes zu verändern. Die eigentliche DNA bleibt dabei unverändert.
Dies kann auch über mehrere Generationen hinweg funktionieren. Informationen über die Lebensbedingungen der Großeltern scheinen auch deren Enkeln zu erreichen.

Je jünger eine Zelle ist, desto „offener“ ist sie für Umwelteinflüsse. So gibt es mehrere entscheidende Prägephasen im Leben eines Menschen:

Mittlerweile gibt es einige sehr interessante epigenetische Forschungsergebnisse:

  • Sowohl Unter- wie auch Überernährung der Mutter in der Schwangerschaft können im späteren Leben zu Stoffwechselerkrankungen der Kinder und auch der Enkel führen (T. Harder et al., 2008). Auch gehäufte Herz-Kreislauf-Erkrankungen, eine höhere Brustkrebsrate und Übergewicht konnten an den Nachkommen der niederländischen Frauen festgestellt werden, die im Hungerwinter 1944 schwanger waren (T. Roseboom, 2009)
  • Extremer dauerhafter Stress der Mutter in der Schwangerschaft geht mit einem erhöhten Kortisolspiegel einher. Im späteren Leben entwickeln die Kinder aus diesen Schwangerschaften leichter Ängste, Depressionen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen (M. Maccani et al, 2009)
  • Die Bindungserfahrung (Geborgenheit, Urvertrauen versus Vernachlässigung) in den ersten Lebensjahren beeinflusst die Genaktivität (Wetting, 2010)

„Junge Erwachsene, deren Mütter während der Schwangerschaft unter Stress litten, haben kürzere Telomere. Dies lässt sie möglicherweise schneller altern. Die DNA-Proteinkomplexe an den Enden der Chromosomen zeigen das Alter einer Zelle an. Bei den Betroffenen waren die Telomere laut Fachblatt PNAS so kurz wie bei dreieinhalb Jahre älteren Vergleichspersonen.“
Apothekenumschau, 1.11.11

Was bedeuten die aktuellen Erkenntnisse der Epigenetik nun für Familien nach Eizellspende (siehe: Neuland / Werte oder Gene)?
Zuerst einmal: Es gibt noch keine wissenschaftliche Untersuchung über diese aus epigenetischer Sicht hochinteressante Familienkonstellation. Geht man davon aus, dass Schwangere nach einer Eizellspende „alles besonders gut machen wollen“, kann man nach derzeitigem Erkenntnisstand jedoch wie folgt spekulieren:

  • Gene sind nicht so unabänderlich wie bisher angenommen. Das Verhalten der Mutter in der Schwangerschaft und die frühe Eltern-Kind-Bindung bestimmen die seelischen und körperlichen Dispositionen des Kindes nach Eizellspende mit.
  • „Gute Gene“ sind nicht alles und kein Garant für langes Leben, gutes Aussehen und Intelligenz. Dazu braucht es zusätzliche förderliche epigenetische Umweltfaktoren. Wer sich allzu viel Kopfzerbrechen über die Gene der Eizellspenderin macht, sollte dies relativieren.
  • Die Schwangere wird – selbst wenn die Gene nicht von sind – auch im biologischen Sinne die epigenetische Mutter des Kindes (J. Huber, 2010) mehr ...