"anders und doch bekannt"

 

Eizellspende in der Zukunft


Noch sind bei Eizellspende „frische“ Zyklen die Regel, d.h. eine individuell ausgewählte Spenderin wird für eine bestimmte Empfängerin stimuliert und dann werden per Punktion die Eizellen entnommen. Die Zyklen beider Frauen werden medikamentös synchronisiert und aufeinander abgestimmt, was natürlich relativ aufwendig ist.
Nachdem es mit Vitrifikation gelingt, Eizellen erfolgreich tiefzufrieren, werden vermutlich Eizellbanken („egg banks“, ähnlich den Samenbanken) die Zukunft dieser Technologie sein. Denn nach dem Auftauen scheinen ca. 90% der Eizellen uneingeschränkt befruchtbar zu sein. Bisher, mit slow freezing Kryokonservierung, war das nicht möglich.
Vorteile solcher Eizell-Register liegen auf der Hand: Die Empfängerin kann ihre Behandlung wesentlich einfacher planen. Denn nach der Zusage durch das IVF-Zentrum, das die Eizellspende durchführt, nimmt sie den nächsten ihr passenden Zyklus, baut mit Medikamenten die Gebärmutterschleimhaut auf und hat sogar bei der genauen Festlegung des Embryonentransfer-Tages noch Wahlmöglichkeiten. Das behandelnde IVF-Zentrum muss nur 2-5 Tage vor Embryonentransfer die Eizellen der Spenderin auftauen und befruchten.
Alls dies ist Neuland. Weltweit sind gerade erst erste IVF-Zentren dabei, Eizellbanken aufzubauen. Die Mehrzahl der Praxen setzt zur Zeit noch auf frische Zyklen. Das liegt zum einen daran, dass sie noch abwarten wollen, ob die Methode der Vitrifikation wirklich hält, was sie verspricht. Zum anderen bedeutet es eine erhebliche finanzielle Vorleistung für ein IVF-Zentrum, eine Eizellbank aufzubauen. Ein Beipiel: Um 2.000 Eizellen in einer Eizellbank bevorratet zu haben, müssen ca. 200 Spenderinnen stimuliert worden sein. Eine gewisse Größenordnung ist auf Grund der Variabilität der körperlichen Merkmale wie Augen- und Haarfarbe, Größe, Blutgruppe etc. notwendig. 200 Zyklen mit Spenderinnen bedeuten 200 Chromsomenanalysen, 200 Stimulationen, 200 Aufwandsentschädigungen, 200 zum Teil noch dazu portionierende Vitrifikationen. Summa summarum eine mehr als eine 3/4 Million Euro an Kosten. Gleich bleiben die bisherigen Vorableistungen wie beratende Gespräche, allgemeine und gynäkologische Untersuchungen etc.
Die Globalisierung lässt jedoch auch andere Szenarien denken. Stimuliert und punktiert wird dort, wo Eizellen billig und viele Frauen hellhäutig sind. Eizellen sind klein genug, um problemlos transportiert zu werden.
Die IVF-Zentren im europäischen Ausland haben durch die Technik der Vitrifikation nun aber innerhalb des eigenen Landes mehr Möglichkeiten, geeignete Spenderinnen zu rekrutieren. Die Frau muss für die Punktion nicht mehr unbedingt in das Eizellspenden-IVF-Zentrum anreisen. Sie kann auch vor Ort – z.B. 1.000 km entfernt - in einer Außenstelle stimuliert und punktiert werden. Eizellen zu transportieren ist einfacher, als der Spenderin eine weite Reise zuzumuten.

Innerhalb der EU ist eigentlich kein Missbrauch möglich. Denn jeder Transport von Gewebe – unter diese Kategorie fallen Ei- und Samenzellen – muss genau dokumentiert und überprüft werden. Das abgebende und das annehmende IVF-Zentrum, sowie das spezialisierte Transportunternehmen, müssen zertifiziert sein und für die Zellen einen Herkunftsnachweis führen. Dies dient dem Schutz der Paare und stellt vor allem sicher, dass die Spenderinnen auf HIV, Hepatitis etc. getestet wurden. Auch das IVF-Zentrum möchte keine Zellen mit unklarer, möglicherweise infektiöser Herkunft in seinem Kryo-Depot haben. mehr ...